Geschichtengalerie

Manfred S. & Sabine S.

Manfred S. & Sabine S. im Interview:
Sabine und Manfred S. | Jüterbog | Juli 2021

Ich (Manfred) bin gelernt Dreher und Kunst-und Bauschlosser. Ich habe hier im Wälzlagerwerk in Luckenwalde gelernt. Die Bildung war schon gut in der DDR, sogar im Knast. Mich hatten sie 1968 eingesperrt zum Mauerbau – wegen ‚schwerer staatsgefährlicher Hetze’. Hab in der Abendschule noch ´n Automateneinrichter gemacht. Dann zog es mich in die grosse weite Welt, da war ich bei Pneumatik Berlin. Bin ich über dreißig Jahre auf Montage gefahren – überall im ganzen Osten. Zur Wende ist unser Betrieb krachen gegangen. Ich kam über einen Freund bei MEDAP Bad Homburg unter. Aber da war ich nur ein-zwei Jahre, bis die mich nicht mehr bezahlt haben.

Ich (Sabine) komme aus Reichenbach. Dort habe ich bei dem Verlag „Bild und Heimat“ gelernt und gearbeitet. Fast alle Postkarten und Kalender in der DDR wurden dort hergestellt. Da kamen immer die Fotografen zu uns, und ich war dort im Büro. Und da habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Als die Kinder gross waren, sind wir Ende der 80er nach Jüterbog gezogen, und ich wurde dann bei der KWV angestellt. Dann kam die ‚Wende‘, und die zuletzt Gekommenen konnten zuerst gehen. Ich hab in der Drogerie bei ‚Drospa‘ eine Anstellung gefunden, aber da gingen kurze Zeit später auch die Kündigungen los.

IIn Jüterbog hatten wir ein Mehrfamilienhaus, aber das war in der DDR eine grosse Belastung. Es wurde ja kaum Miete gezahlt, und Material für Bau oder Sanitäranlagen war schwierig zu bekommen. Mit dem Mauerfall sind aus Jüterbog alle weg – trotz Eingemeindungen ging die Bevölkerung zurück. Wir haben kaum Leute zur Miete gefunden, nur so ne Messies. Wir haben später eine Wohnung an Montage-Arbeiter vermietet, als hier die Bahnstrecke gebaut wurde. Das ging ne ganze Zeit gut, aber dann mussten wir das Haus verkaufen.

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