Damals wollte ich junge Menschen dabei unterstützen, ihren Kern zu finden. Ich hab Mathe-Physik studiert und bin 1974 Lehrer geworden. Der Jüngste dort im Kreise – mit 22 Jahren. Meine Ideale konnte ich nicht umsetzen im DDR-System. Ich bin da raus und hab Vieles gemacht. Beispielsweise hatte ich die Gelegenheit, Kleinrechner zu programmieren – im Hexadezimalsystem. Die wurden im nicht-sozialistischen Ausland als Personalrechner eingesetzt.
Ich wollte eigentlich kein ‚Selbständiger‘ werden, und auch nie ein Hausbauer. Aber dann wurde ich Korbmacher und baute ein Haus. Ich habe gemerkt, wie sehr ich es mochte, mich in der Kunst auszudrücken. So studierte ich Kunsthandwerk auf der Burg Giebichenstein und war selbständig im Kunstgewerbe. Mit dem Mauerfall haben wir alle nichts mehr verdient. Ich konnte also mein Zertifikat für die ‚Burg’ nicht bezahlen, denn die Währungsunion kam, und ich hatte kein Westgeld. Mir war bewusst, wie schwierig es werden würde im risikobehafteten Wirtschaftssystem des Kapitalismus zu existieren. Deshalb hab ich eine sichere Einnahmequelle gesucht. Ich wurde wieder Lehrer. In der DDR war es genau umgedreht. Da war das Gesellschaftssystem sicher. Als selbständiger Korbmacher zu arbeiten, hat in mir keine Unsicherheit ausgelöst - und ich hatte ein gutes Netzwerk.
Nach der Wende hab ich jemanden gefunden, der mich in einer Schule für Geistige Benachteiligung angestellt hatte – und ich konnte dort eine Korbmacherei aufmachen. Das Lehrersein ist anders geworden. Das Menschliche ist völlig abhanden gekommen – aber ich konnte es noch kennenlernen, wie es früher war. Mit der Zeit sind immer mehr Fälle von Verwahrlosung hinzugekommen.
Jetzt bin ich pensioniert – und kann die Früchte meines Lebens tragen. Ich fotografiere sehr gern. Hier kann ich zwischenmenschliche Momente festhalten. Und ich sehe, dass doch viel Lebendigkeit und Liebe zwischen den Menschen ist.